Trentasei 2003

DOC Merlot del Ticino, Gialdi, Mendrisio
Rubrik: Ausnahmeweine
Trauben: 100% Merlot
Jahrgang: 2003
Preis: Ca. CHF 125.–
Degustiert: 8/2019
Freudiger: Tolles, tiefdunkles Rubin ohne jede Altersnote. Schön gereifte Nase mit viel Rosinen und leicht anmaderisierter Holzwürze. Am Gaumen betörend tiefgründig, sehr vielschichtig, breitschultrige Frucht, sehr stoffig, auch im Mundgefühl grosse Klasse. Wahnsinnig viel Extrakte, erstaunlich vife Säure. Irgendwo zwischen Pomerol und Kalifornien einzuordnen. Wirkt am vorderen Gaumen zunächst vollkommen trinkreif, aber im Abgang heisst es dann forsch: Zuwarten!
Gesamturteil: Wird seinem guten Ruf vollauf gerecht. 18,5/20
Kaletsch: Tiefdunkles, fast schwarzes Rubin. Fruchtig-reife Nase im Bordeaux-Stil mit rosinigen und ersten minimal-oxidativen, animalischen Anklängen sowie schöner Eichenholzwürze. Am Gaumen unglaublich straight: dicht, stoffig und unendlich lang. Ein Powerwein in Babykleidern, der sicher noch 20 Jahre gelagert werden kann! Ganz am Anfang seiner Genussreife.
Gesamturteil: Ein Weltklassewein mit 36 Monaten Barrique-Ausbau. 18+/20 (Potenzial 19–)
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Reserva Martí 2012

Albet i Noya, DO Penedès, Subirats
Rubrik: Klasseweine
Trauben: 45% Merlot, 25% Ull de Llebre (Tempranillo), 20% Syrah, 10% Cabernet Sauvignon
Jahrgang: 2012
Preis: CHF 37.50
Degustiert: 8/2019, eingereicht von Delinat
Freudiger: Düsteres Kirschrot mit aufhellenden Rändern. Reife Nase mit würzigen Noten aber auch besorgniserregenden, rosiniert-oxidativen Klängen. Wuchtiger Beginn mit sehr geschmeidiger Textur und gewaltigen Fruchtnoten. Sehr substanzreich, die Bordeaux-Sorten drücken durch. Schöne Cremigkeit, gleichzeitig betörend frisch und vif – im Gegensatz zur Nase keine Spur von Alter. Langer Abgang mit leichten Vanillenoten. Präsentiert sich bereits wunderschön, dürfte aber erst in vier, fünf Jahren voll auftrumpfen.
Gesamturteil: Ein Biowein der Extraklasse 18/20
Kaletsch: Dunkles, dichtes Rubin mit ersten Brauntönen am Rand. Traumhaft reife Barrique-Nase mit Vanille, Dörrpflaumen und viel Frucht. Die leicht alkoholisch-rosinige Note passt perfekt dazu: ein Bouquet zum Niederknien! Am Gaumen dann viel Power, Extrakt und eine tolle Länge: alles, was ein guter Wein braucht. Allerdings aktuell noch sehr, sehr jugendlich. Wer wartet, wird belohnt: braucht sicher noch 5–10 Jahre Lagerung.
Gesamturteil: Eine echte Trouvaille zum Lagern 17/20 (Potenzial 18+/20)
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ENIGMA (Les Palins) 2017

Weinkellerei Hasler, Alfermée
Rubrik: Klasseweine
Trauben: 100% Pinot Noir
Jahrgang: 2017
Preis: CHF 32.–
Bezugsquelle:

Haslerwein.ch

Degustiert: 8/2019, eingereicht von der Weinkellerei Hasler
Freudiger: Klassischer Schweizer Pinot-Look mit aufhellenden Rändern. Typische Pinot-Nase, leicht stinkig. Dann aber sehr viel Stoff, gut gebaut, komplexe Aromatik mit viel Frucht, etwas Erdbeere, aber auch Brombeeren und eingekochte Zwetschgen. Öffnet sich langsam am Gaumen. Holz sehr schön eingebunden. Ein eleganter, junger Mann mit Traumschwiegersohn-Potenzial. Nobler und überraschend langer Abgang. Wirkt erstaunlich fertig, zeigt aber dennoch, dass auch in fünf, sechs Jahren noch mit ihm zu rechnen ist.
Gesamturteil: Einzellage am Bielersee, sehr souverän gemacht: 17,5/20
Kaletsch: Helles Mittelrot mit deutlichen ziegelroten Einschlägen. Verhaltene Pinot-Fruchtnase mit dezenter Barriquenote und ersten animalischen Reifearomen. Auch am Gaumen momentan zurückhaltend (reduktiv), lässt aber seine grosse Klasse erahnen: ein schlanker, aristokratisch-eleganter und trotzdem dichter Wein mit beeindruckender Länge und exzellenter Balance, der ohne dominantes Barrique-Toasting auskommt.
Gesamturteil: Ein Klassewein für wenig Geld: 17,5/20 (Potenzial 18+)
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Arenario 2015

DOC Maremma, Poggio Cagnano
Rubrik: Klasseweine
Trauben: 100% Cabernet Sauvignon
Jahrgang: 2015
Preis: CHF 37.70
Bezugsquelle: Siebe Dupf Weine
Degustiert: 5/2019, eingereicht von Siebe Dupf Weine
Freudiger: Klassisches Bx-Rot mit leicht aufhellenden Reflexen. Verhaltene, dunkelfruchtige Nase. Im Mund explodiert eine wundervolle Kombination von bordelaiser Eleganz und toskanischer Sinnlichkeit. Kräuter, Lakritze, Brombeeren, dazu aber noch sehr viele Holznoten: Kaffee, Toast. So stellt man sich einen Supertoskaner vor, auch wenn es derzeit noch ein «ungestümer Jungspund» ist, wie Mitdegustator Zapfenzieher meinte.
Gesamturteil: Unangestrengte Maremma mit Wow-Faktor; Potenzial für 18/20.
Kaletsch: Dunkles Purpur. Sehr würzige Nase mit Frucht und Barriquenoten im Stile bekannter Supertoskaner, leicht alkoholisch. Am Gaumen breitschultrig und holzbetont, noch sehr unter dem Eindruck der Gerbstoffe. Lässt aber Eleganz erkennen und erste Reifenoten erahnen. Zweifellos ein grosser, komplexer Wein, der aber noch einige Jahre reifen muss.
Gesamturteil: Rarer Tropfen mit tollem Preis-Leistungs-Verhältnis: 17 (Potenzial 18,5/20).
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L'incontro 2014

Dezi, IGT Marche
Rubrik: Alltagsweine
Trauben: Sangiovese, Montepulciano
Jahrgang: 2014
Preis: CHF 16.90
Bezugsquelle:

La Passion du Vin

Degustiert: 5/2019, eingereicht von La Passion du Vin
Freudiger: Dunkles Rubin mit leicht aufhellendem Rand. Tiefe Kirschnase mit Klängen von sonnengetrockneten Kräutern. Einlullend süsslicher Auftakt, dann jedoch unerwartete Ecken und Kanten, die sich noch abschleifen dürften. Im langen, gerbstoffreichen Abgang zeigt sich eine nicht uncharmante Bitternote, auch leicht adstringierend. Jetzt schon ein schöner Spaghettiwein, braucht aber noch ein wenig Zeit.
Gesamturteil: Preis-Leistungs-Held für Italienfreaks: 16/20
Kaletsch: Mittelhelles Purpur mit orangen Rändern. Gerbstoffbetonte Nase mit Frucht und ersten Tertiäraromen (Leder, Kräuter und Bouillon). Am Gaumen eine intensive Aromatik. Sehr präsente, nervige Säure und eine beeindruckende Länge bei deutlich spürbaren Tanninen, die zu einem leicht herben Abgang führen. Echte Italianità und ein toller Essensbegleiter für wenig Geld!
Gesamturteil: Kein Easydrinking: 16,5/20
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Cos d'Estournel 1988

Château Cos d'Estournel, St-Estèphe AOC, 2ième Cru classé,
Rubrik: Ausnahmeweine
Trauben: Cabernet Sauvignon, Merlot, Cabernet Franc, Petit Verdot
Jahrgang: 1988
Preis: Ca. CHF 120.– (Normalformat)
Degustiert: 5/2019
Freudiger: Gereiftes Rot mit besorgniserregenden Braunreflexen. Dann aber schon in der Nase der Eindruck von frischer Präsenz, gereift zwar, aber auch einnehmend mit einem Hauch von Peperoni. Am Gaumen zeigen sich Kaffee- und Lakritznoten, auch Leder. Dahinter lauert jedoch eine noch sehr vife Brombeer- und Pflaumenmarmelade-Frucht. Elegant, seidig, relaxed, souverän. Ganz grosses und sehr zugängliches Bordeaux-Kino.
Gesamturteil: Ready to drink! 18,5/20
Kaletsch: Mittleres, ins Orange-Braune ziehendes Rubinrot mit hellen Rändern. In der Nase beeindruckende St-Estèphe-Typizität mit Aromen nach Zedernholz, Leder, Tabak und Bouillon, aber wenig Frucht und minimalen oxidativen Anflügen. Am Gaumen dann voll da: extraktreich, breit und ausladend bei traumhafter Eleganz und Länge und allerhöchstem Genussfaktor. Befindet sich auf dem absoluten Peak – und das nach 31 Jahren in der Schöppli-Flasche!
Gesamturteil: Abschalten und geniessen: 19–/20
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Blaufränkisch Goldberg 2015

DAC Burgenland, Weingut Ernst
Rubrik: Klasseweine
Trauben: 100% Blaufränkisch
Jahrgang: 2015
Preis: CHF 29.70
Bezugsquelle:

Siebe Dupf Weine

Degustiert: 5/2019
Freudiger: Rubin mit Purpurreflexen. Riecht sehr frisch mit floralen Noten (Veilchen, Margritli) sowie hellen Steinfrüchten. Am Gaumen kirschfruchtig, eher von schlanker, femininer Statur aber gleichzeitig etwas rustikal und ruppig – typisch für einen jungen Blaufränkisch. Auch im Abgang noch unzugänglich, mit Bitternoten. Öffnet sich nach dem Dekantieren und fleissigem Glasschwenken zusehends.
Gesamturteil: Braucht Geduld; Potenzial für 17/20
Kaletsch: Dunkles Rubin mit violettem Schimmer und helleren Rändern. In der Nase wunderbare Toastingnoten mit Kaffee, viel schwarzbeeriger Frucht und floralen Aromen. Am Gaumen noch sehr gerbstofflastig, breit und kräftig. Zeigt aber bereits eine erste schöne Reifesüsse. Tolle Struktur, braucht aber definitiv viel Belüftung und am besten noch einige Jahre Lagerung.
Gesamturteil: Überzeugender Blaufränkisch aus einem Spitzenjahr: 17,5/20
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The Factor 2004

Barossa Valley, Torbreck Vintners
Rubrik: Ausnahmeweine
Trauben: 100% Shiraz
Jahrgang: 2004
Preis: Ca. CHF 125.–
Degustiert: 5/19
Freudiger: Blindprobe: Dunkles, leicht müdes Ziegelrot. Intensive aber irritierende Nase: zwar Minze und Schokolade, aber dazu auch staubige Kellernoten und nasser Hund. Unergründliche, massiv eingekochte Noten am Gaumen: ein überextrahierter Bordeauxblend exotischer Herkunft? Ein Experiment aus dem Libanon? Überalterter Zinfandel? Ein Amarone-Versuch aus Übersee? Nein, ein Top-Shiraz aus Australien – nie im Leben hätte ich das erkannt. Im Abgang für meine Begriffe viel zu süss.
Gesamturteil: Sicher gekonnt gemacht, aber überhaupt nicht mein Ding: 15/20
Kaletsch: Tiefdunkles Rubinrot. Traumhaft opulente, überreife Fruchtnase mit Minze und Vanille, dazu erste medizinale Tertiäraromen. Am Gaumen sehr konzentriert und extrahiert, würzig und mit einer überwältigenden Struktur: filigrane Tannine, die von frischer Säure gestützt werden, und eine betörende Frucht- und Extraktsüsse. Ein Parker-Wein (97 Punkte), der fraglos polarisiert. I like!
Gesamturteil: Australischer Shiraz der Spitzenklasse: 19/20
https://vvwine.ch/2019/06/punkte-kann-man-nicht-trinken/
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Red Domus 2016

Vignerons Catalans, Côtes du Roussillon Villages AOP
Rubrik: Alltagsweine
Trauben: Syrah, Grenache
Jahrgang: 2016
Preis: Ca. CHF 14.–
Degustiert: 5/2019
Freudiger: Die Vignerons Catalans sind ein Zusammenschluss von rund 1000 (!) Winzerinnen und Winzern, die rund 10'000 Hektaren (!) bewirtschaften und vorwiegend Weine im Billigsektor produzieren. Der Red Domus mit viel Toasting, sehr viel Frucht, etwas Pfeffer und stoffiger Opulenz. Dabei durchaus gut strukturiert, nicht zu üppig. Die Gerbstoffe dürften ihn sogar noch etwas zulegen lassen. Moderner, gekonnt gemachter Spasswein für sehr wenig Geld.
Gesamturteil: Unkompliziertes katalanisches Trinkvergnügen: 16/20
Kaletsch: Mittleres Granatrot. Umwerfende Nase mit Reifenoten, Frucht und leichten Röstaromen vom zurückhaltenden Holzeinsatz. Am Gaumen fruchtig und mundfüllend, aber noch ziemlich gerbstofflastig. Die Länge und die Eleganz gehen diesem professionell vinifizierten Wein etwas ab.
Gesamturteil: Diskrepanz zwischen Nase und Gaumen: 15,5/20
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Pinot Noir Unter der Linde 2013

Weingut zur Linde, Michel Jaussi, Sommerhalde-Villnachern, Grand Cru Aarau AOC
Rubrik: Klasseweine
Trauben: 100% Pinot Noir
Jahrgang: 2013
Preis: Ca. CHF 55.–
Degustiert: 5/2019, eingereicht von Michel Jaussi
Freudiger: Tiefes, ins Granat spielendes Rubin mit aufhellenden Rändern. Herrliche Nase mit burgundischen Qualitäten, schwarze Schokolade, Kaffee, dunkle Waldfrüchte. Am Gaumen ausserordentlich komplex, viel Struktur, wirkt muskulös. Wunderschöne, voll ausgereifte Frucht, dabei nie aufdringlich. Leichter Rosinen-Touch, etwas Rumtopf, aber dank der tragenden Säure gleichzeitig sehr erfrischend. Macht jetzt schon Spass, hat aber noch Reserven für sicher fünf Jahre.
Gesamturteil: So stellt man sich einen Schweizer top Pinot Noir vor: 18,5/20
Kaletsch: Mittleres Rubin mit helleren Rändern. Verführerische Pinot-Nase mit Röstaromen vom Barrique-Einsatz, viel Beerenfrucht (leicht rosinig) und ersten Anflügen von Reifetönen. Auch am Gaumen ganz im Stil eines guten Burgunders: schlank, elegant und mit toller Balance. Verfügt trotz zurückhaltender Säure über eine beachtliche Länge. Gut spürbare, aber nie störende Tannine und eine traumhafte Extraktsüsse. Degustiert gemeinsam mit Adrian van Velsen von vwine, der in seinem Blog (siehe Link) den gesamten Flight bespricht.
Gesamturteil: Ganz am Anfang seiner Trinkreife: 18+/20
https://vvwine.ch/2019/06/unter-der-linde-in-lengnau
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Fidenzio 2006

Podere San Luigi, Val di Cornia Fidenzio, Toscana IGT
Rubrik: Klasseweine
Trauben: Cabernet Sauvignon, Cabernet Franc, Merlot
Jahrgang: 2006
Preis: Ca. CHF 70.–
Degustiert: 3/2019, eingereicht von Zapfenzieher
Freudiger: Sehr dunkles Rubin. In der Nase Italien pur mit sehr viel Liebstöckel, leicht anoxidiert. Im Gaumen hingegen recht breitschultrig und frisch. Gewisse Altersnoten sind da, auch viel dunkle Kirschfrucht und einiges an Kraft. Daneben aber fast brutale Gerbstoffe. Werden sie sich noch einbinden? Entwickelt sich im Glas; unbedingt dekantieren. Ein Wein, dessen weitere Entwicklung schwierig einzuschätzen ist.
Gesamturteil: Bordeaux-Blend und trotzdem viel Italianità – Bolgheri eben: 17/20
Kaletsch: Dunkles und dichtes Purpur. Nach dem Öffnen eine oxidativ-animalische Nase mit einem Hauch von Zedernholz und roten Früchten, am Gaumen viel Power und markante Gerbstoffe, scheinbar weit von seiner besten Trinkreife entfernt. Gewinnt aber mit Belüftung extrem: Am Schluss des Abends ein genialer jugendlicher Genusswein im Stile grosser Super Tuscans.
Gesamturteil: Ein Supertoskaner, der auch beim Geniessen Zeit braucht: 17,5/20
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Pythagora 2014

Galilea by Fiona, Montsant DO, René Barbier, Figuera
Rubrik: Klasseweine
Trauben: 100% Garnatxa (Grenache)
Jahrgang: 2014
Preis: CHF 39.–
Bezugsquelle:

La Passion du Vin

Degustiert: 3/2019, eingereicht von La Passion du Vin
Freudiger: Durchscheinendes aber kerniges Granat. Dunkles, geheimnisvolles, animalisches Bouquet mit Ledernoten. Massiver Auftakt mit Wagenladungen von dunklen Früchten und wiederum Tertiäraromen. Gleichzeitig ist das Holz schon erstaunlich gut eingebunden. Lässt die Muskeln spielen, aber sie sind von Samt umspannt. Oder ist es doch ein Superman-Dress? Power und Finesse. Gerbstoffe rollen prächtig, lassen auf einige Jahre bis zur optimalen Trinkreife schliessen. Der Wein macht von Minute zu Minute auf.
Gesamturteil: Schon jetzt ein Spasswein, aber da kommt noch was: Potenzial für mindestens 18/20
Kaletsch: Mittelhelles Rot mit Rostschimmern. Erstaunlich reifes und würziges Bouquet mit schön eingebetteten Holznoten und ersten Tertiäraromen (Leder). Am Gaumen breit, mit sehr viel Extrakt und wuchtigen Gerbstoffen. Ein echter Powerwein, der viel Luft braucht und am besten mindestens fünf Jahre gelagert wird. Stammt aus alten Reben. Ein tolles Projekt des ehemaligen Bieler Weinhändlers Roland Fischer und seiner Tochter Fiona, das von Winemaker René Barbier unterstützt wird.
Gesamturteil: Sehr viel Wein für relativ wenig Geld: 17,5/20
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Château Léoville-Barton 2009

AOC St–Julien, 2e Cru Classé
Rubrik: Ausnahmeweine
Trauben: 70% Cabernet Sauvignon, 25% Merlot, 5% Cabernet Franc
Jahrgang: 2009
Preis: Ca. CHF 150.–, eingereicht von Martin Spycher
Degustiert: 3/2019
Freudiger: In sich ruhendes Bordeauxrot. Verhaltene, hintergründige aber typische Bordeaux-Nase mit viel Brombeere und Cassis. Cremiger, samtener, aristokratischer Trinkfluss. Gigantische Power mit seidenfeiner Eleganz. Erneut dunkelfruchtig, etwas Dörrpflaume, dazu Minze. Dahinter verbergen sich Kaffee-, Karamell- und Vanillenoten. Gegen Schluss ein dramatischer Gerbstoffauftritt, der Jungbordeauxtrinker wie mich ganz einfach Lügen straft.
Gesamturteil: Warten. Potenzial für 19/20
Kaletsch: Dunkles Purpurrot. Klassische St-Julien-Nase mit Zedernholz, Graphit, Frucht und ersten animalischen Anflügen. Am Gaumen noch sehr unter dem Eindruck der Tannine, doch dahinter lässt sich die überragende Struktur erahnen. Erste Aromen von Menthol, Ledersattel und Tabak. Fraglos ein grosser Wein mit gewaltigem Potenzial, der seine beste Genussreife noch weit vor sich hat.
Gesamturteil: Vin de garde: Geduld zahlt sich aus! 17,5/20 (Potenzial 18,5)
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Lagrein 2017

DOC Alto Adige, Obermoser, Bolzano
Rubrik: Klasseweine
Trauben: 100% Lagrein
Jahrgang: 2017
Preis: CHF 26.–
Bezugsquelle: La Passion du Vin
Degustiert: 1/2019
Freudiger: Erstaunlich düsteres Purpur. Geile Nase, mit ausserordentlich frischen, hellen (!) Kirschen und Marzipanklängen. Kindheitserinnerungen an Biberfladen. Im Mund bietet eine quicklebendige, frische, fast bonbonartige Primärfrucht übermütige Jugendlichkeit. Im Abgang wirkt der Wein wesentlich ernsthafter. Sicher nicht jedermanns Geschmack und in der Lagerfähigkeit schwierig zu beurteilen.
Gesamturteil: Frisch von der Südtiroler Leber weg: 16/20
Kaletsch: Dunkles, am Rand ins Violett kippendes Rubin. Äusserst frische Nase mit viel primärer Frucht. Auch am Gaumen frisch und eigenwillig mit diskreten, gut eingebundenen Holztönen. Erinnert in seiner Aromatik überraschenderweise an gute Sforzato-Weine. Mittlere Länge, markante Säure und herbe Tannine. Kompromisslos vinifiziert!
Gesamturteil: Charaktervoller, rustikaler Wein: 16+/20 (Potenzial 17/20)
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Gualdo del Re 2008

DOC Val di Cornia Suvereto Sangiovese, Az. Agr. Gualdo del Re, Suvereto
Rubrik: Klasseweine
Trauben: 100% Sangiovese
Jahrgang: 2008
Preis: Ca. CHF 30.–
Degustiert: 1/2019
Freudiger: Recht dunkles Rubin für Sangiovese. Gewaltige Fruchtnase mit viel schwarzer Kirsche, eher an Übersee erinnernd; lässt etwas Breites, Opulentes erwarten. Dann jedoch ein eher schlanker Körper. Am Gaumen typisch Toskana und bisweilen eine Ahnung von Supertuscan. Soviel man weiss, sind aber keine Bordeaux-Sorten im Spiel. Eher wenig Frucht. Dafür schön würzig, aber auch (und immer noch!) sehr barriquelastig. Recht harsche, etwas unreif wirkende Tannine. Unbedingt dekantieren, als Essensbegleiter bereits ready.
Gesamturteil: Ein Spaghetti- oder Lasagnewein im allerbesten Sinn des Wortes: 17/20
Kaletsch: Mittleres Rubin. Traumhafte Nase mit Barrique-Röstnoten, Zedernholz und konzentrierter, überreifer Frucht ganz im Stil eines Supertoskaners. Am Gaumen schlanker und nerviger als erwartet: schöne Struktur, klare Säure und viel Tannin. Das Holz dominiert derzeit noch, und die Aromen erinnern an eine lackierte Holztruhe. Diskrepanz zwischen dem üppig-berauschenden Bouquet und dem Gaumen.
Gesamturteil: Definitiv ein Essensbegleiter: 16,5/20
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Laurona Reserva Limitada 2008

DO Montsant, René Barbier
Rubrik: Klasseweine
Trauben: Grenache, Syrah, Carignan, Cabernet Sauvignon, Merlot
Jahrgang: 2008
Preis: CHF 29.–
Bezugsquelle:

La Passion du Vin

Degustiert: 3/2019
Freudiger: Dunkles Rubin ohne Reifetöne. Sehr vielschichtiges, ausgewogenes, ruhiges Bouquet. Auftakt mit betörender Fruchtüsse. Sehr geschliffenes Mundgefühl, eine nach allen Regeln der Kunst aufgebrezelte Lady. Dabei durchaus charmant und sehr, sehr zugänglich: everybody’s darling. Ein bisschen gemacht, aber gekonnt, durchaus mit Klasse. Ausserordentlich harmonisch und in sich ruhend. Indes vermisst man fast ein bisschen Ecken und Kanten. Perfekte Trinkreife ist erreicht.
Gesamturteil: Ein phänomenales Preis-Leistungs-Verhältnis: 17,5/20
Kaletsch: Dunkles Rubin mit wenigen ziegelroten Schimmern. In der Nase eine breite Aromatik im Bordeaux-Stil mit ersten animalischen Anflügen (Leder, Tabak). Am Gaumen eine markante, fast schon aufdringliche Reifesüsse. Perfekt ausbalanciert, mit gut stützender Säure, wunderbarer Aromatik, feinen Tanninen und beeindruckender Länge. Ein Genusswein, hinter dem ein Meister der Vinifikation steckt.
Gesamturteil: Fast zu schön, um wahr zu sein: –18/20
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Montiano 2000

IGT Lazio, Fat. Falesco, Montefascione
Rubrik: Klasseweine
Trauben: 100% Merlot
Jahrgang: 2000
Preis: Ca. CHF 60.–
Degustiert: 1/2019
Freudiger: Granat mit Braunreflexen. Wunderschöne, kräuterwürzige Nase mit einem Hauch Bouillon. Ultratrockener, wiederum sehr würziger Gaumen mit dunklen Früchten. Mundfüllend-üppig und doch elegant. Gut strukturiert und harmonisch. Der Wein zeigt einerseits deutliche Reifenoten, ist aber gleichzeitig noch mit Gerbstoffen ausgestattet, die ihm noch einige Jahre schenken werden. Unaufgeregte Italianità, gleichzeitig sympathisch rustikal und beeindruckend nobel.
Gesamturteil: Italien zum Geniessen; am liebsten allein: 18–/20
Kaletsch: Mittleres Rot mit orange-bräunlichen Reflexen. Eine Nase zum Schwelgen: reif, fruchtig und mit toller Würze, ganz nah an der Perfektion. Leder- und Kräuteraromen genauso wie eine üppige Frucht. Auch am Gaumen eine verführerisch-reife Aromatik, aber gleichzeitig noch gut spürbares Säure-Rückgrat und rustikale Gerbstoffe. Schöne Struktur und Länge. Befindet sich kurz vor der optimalen Genussreife. Die 94 Parker-Punkte sind nicht übertrieben!
Gesamturteil: Ein in allen Belangen überzeugender Merlot: 18+/20
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Château Figeac 2002

AOC Saint-Émilion Premier Grand Cru, Saint-Émilion
Rubrik: Ausnahmeweine
Trauben: 35% Cabernet Sauvignon, 35% Cabernet Franc, 30% Merlot
Jahrgang: 2002
Preis: Ca. CHF 120.–
Degustiert: 1/2019, eingereicht von Zapfenzieher
Freudiger: Phänomenale Nase, die jeden Bx-Freak tanzen lässt. Ultrakomplex, subtil, mit Cassis- und Brombeerennoten, etwas ledrige Animalität, aber hübsch, hübsch, hübsch. Im Mund nicht übermässig fett, sondern aristokratisch, nobel, wiederum Cassis und herrliche Kräuter- sowie Würznoten. Der etwas bescheidenere Jahrgang macht sich bemerkbar, nicht zuletzt mit sanften Noten von grüner Peperoni, vor allem im eher kurzen Abgang. Legt aber von Minute zu Minute zu. Ein Bordeaux für Liebhaber von Finesse und Eleganz.
Gesamturteil: Verbreitet dieses unvergleichliche Gefühl zu Hause zu sein: 18–/20
Kaletsch: Begeisternde Bordeaux-Nase mit dunklen Beerenfrüchten, perfekt eingebundenem Toasting, Zedernholz und ersten animalischen Tertiäraromen wie Leder und Tabak. YESSSS! Auch am Gaumen erste Reifearomen, aber noch markante Tannine, perfekt ausbalanciert und von beeindruckender Länge. Aristokratisch und ohne jegliche Aufdringlichkeit, ein Gedicht!
Gesamturteil: Ein Traumwein in Babyschuhen: 18+/20 (Potenzial 19)
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Vale do Lacrau 2015

DOC Douro Reserva, «Field Blend», Secret Spot Wines, Rui Cunha, Favaios
Rubrik: Klasseweine
Trauben: 30% Touriga Franca, 30% Tinta Roriz (Tempranillo), 20% Touriga National, 20% Tinta Barroca
Jahrgang: 2015
Preis: Ca. CHF 25.–
Degustiert: 1/2019
Freudiger: Sehr dunkles Rubin mit Schwarzreflexen. Diskrete Nase mit verführerischer dunkler Frucht (Pflaumen). Gaumen etwas gar breit, überreif-fruchtig und etwas knallig wirkend. Viel Kirsche und andere dunkle Kernfrüchte. Holzausbau deutlich spürbar, Tannine noch etwas ungestüm. Auch recht heftige Säure, das Ganze wirkt derzeit noch etwas unharmonisch. Nicht auf der Höhe, derzeit enttäuschend, braucht noch etwas Lagerung.
Gesamturteil: Ein Marketingprodukt, wirkt etwas gar gemacht: 16/20
Kaletsch: Mittleres Rubinrot. Verhaltene Nase mit etwas Frucht und mineralisch-metallischen Noten sowie etwas Vanille vom Barrique-Ausbau im Rioja-Stil, eher reduktiv wirkend. Am Gaumen eine überzeugende Struktur, mittlere Länge und noch pelzige Gerbstoffe. In der aktuellen Verfassung noch deutlich von seiner besten Genussphase entfernt. Es überrascht, dass dies bei Gerstl der «Wein des Jahres 2019» ist.
Gesamturteil: Aktuell in einer schwierigen Phase: 16+/20
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Bandol Rouge 2016

AOC Bandol Rouge, Domaine Tempier, Le Plan du Castellet
Rubrik: Klasseweine
Trauben: 75% Mourvèdre, 15% Grenache, 8% Cinsault, 2% Carignan
Jahrgang: 2016
Preis: CHF 39.–
Bezugsquelle: La Passion du Vin
Degustiert: 1/2019, eingereicht von La Passion du Vin
Freudiger: Dichtes Purpur. Noch mit mehrfachen Sicherheitsschlössern abgeschottete Nase. Fast ölige Textur. Fliesst dementsprechend mit ritterlicher Zurückhaltung über die Zunge. Die ganz grosse Klasse ist erahnbar, aber noch nicht präsent. Zwischendurch erhascht man einen Blick auf gewaltige Frucht, angedeutete Komplexität und eindrücklichen Tiefgang. Sehr viel Toasting im Spiel, aber eben auch genug Substanz. Die Wahnsinns-Gerbstoffe wirken souverän und lassen das Lagerpotenzial erahnen. 20, 30, 40 Jahre?
Gesamturteil: Definitiv ein Wein für Erwachsene mit Potenzial für 19/20
Kaletsch: Dunkles Purpur mit violetten Reflexen. Spannende, noch etwas verhaltene Nase, alkoholisch, mit verbrannten Noten und Frucht im Hintergrund. Am Gaumen eine beeindruckende Struktur: dicht und mit sehr intensiver Aromatik, fraglos ein grosser Wein. Zurückhaltende Barriquenoten, aber gewaltige Tannine, die noch komplett abriegeln. Vin de garde!
Gesamturteil: Ein schlummernder Riese 17-/20 (Potenzial 18/20)
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