Bourgogne Alain Jeanniard 2011

Domain Alain Jeanniard, Morey-Saint-Denis, AOP Bourgogne
Rubrik: Alltagsweine
Trauben: 100% Pinot Noir
Jahrgang: 2011
Preis: Ca. CHF 20.–
Degustiert: 8/2021
Freudiger: Helles Granat mit stark aufhellenden Rändern. Verhaltene, vielleicht etwas müde Nase. Am Gaumen ein klassischer, in Würde gealterter Pinot. Die Frucht scheint vorbei zu sein, jedoch ist noch einiges an Struktur da, desgleichen eine präsente Säure. Eher kurzer Abgang. Diesem Wein wäre ich gerne vor vier, fünf Jahren begegnet.
Gesamturteil: Over the top, lässt aber Klasse erahnen: 15/20
Kaletsch: Helles, transparentes Karminrot. Reife, einladende Nase mit schönen Tertiäraromen und nur noch wenig Frucht. Am Gaumen intensiv und sehr klassisch: beeindruckende Struktur mit stützender Säure und feinen Gerbstoffen. Noch immer viel Power. Einziges Manko: etwas wenig übriggebliebene Fruchtaromen, was aber bei einem einfachen Bourgogne nach zehn Jahren nicht verwundern darf.
Gesamturteil: Diesen Winzer muss man auf dem Radar haben! 17–/20
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Château Phélan-Segur 2002

AOC Saint-Estèphe, Cru Bourgeois exceptionnel
Rubrik: Klasseweine
Trauben: 61% Cabernet Sauvignon, 39% Merlot
Jahrgang: 2002
Preis: Ca. CHF 45.–
Degustiert: 8/2021, eingereicht von Robert Bayard
Freudiger: Dunkles Purpur ohne jede Altersnote. Schon der Duft ist eine Einladung, nach Hause zu kommen. Viel Eukalyptus und Cassis sowohl in der Nase wie auch am Gaumen. Mittlerer Körper mit erstaunlich vifer Frucht. Das eher schwierige Jahr zeigt sich hier sehr zugänglich mit absolut klassischer Bordeaux-Aromatik. Sicher am Anfang der Trinkreife, aber die geschmeidigen Gerbstoffe weisen auf einige weitere Jahre Reifepotenzial hin.
Gesamturteil: Bordeaux ist Bordeaux ist Bordeaux ist Bordeaux: 18/20
Kaletsch: Mittleres Purpur mit aufhellenden Rändern. Reife Bordeaux-Blend-Nase mit Zedernholz, schwarzer Frucht, Tabak und etwas Leder. Am Gaumen schön ausbalanciert: feine Tannine, die im Abgang aufzeigen, dass der Wein aus einem Gerbstoffjahr stammt, dazu frische Säure. Dunkle Früchte mit Kräutern, etwas Vanille und Schokolade. Die perfekte Genussreife ist erreicht und dürfte noch einige Jahre anhalten.
Gesamturteil: Eleganz und Klassik: 18–/20
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Château Lagrange 1994

Château Lagrange, 3ème Cru Classé St-Julien
Rubrik: Klasseweine
Trauben: Cabernet Sauvignon, Merlot, Petit Verdot
Jahrgang: 1994
Preis: Ca. CHF 60.–
Degustiert: 6/2021
Freudiger: Blind verkostet: Schönes Rubin. Verhaltene Nase mit dunklen Früchten und getrockneten Kräutern, darunter auch etwas Minze. Komplexer Gaumen mit toller Struktur, viel Frucht, die aber recht schwer zu definieren ist (Pflaumen?). Viel Substanz, trotzdem sehr elegant. St-Julien? Richtig geraten! Der Wein zeigt allererste Reifetöne, aber die Tannine am Schluss sprechen eine andere Sprache.
Gesamturteil: Sinnlich, elegant, aristokratisch: 18/20
Kaletsch: Einladendes Purpurrubin. Deutliche Bordeaux-Blend-Aromatik in der Nase: Zedernholz, Leder, Tabak, Kaffee, Schokolade und dunkle Frucht. Am Gaumen, klassisch, elegant und sehr ausgewogen: beeindruckende Länge und ein gut spürbares Tanningerüst (Gerbstoffjahr!), das aber nie stört. Die Frucht rückt je länger je mehr in der Hintergrund.
Gesamturteil: St-Julien, wie es sein muss: 18–/20
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Château Rayas 2008

Château Rayas, Appellation Châteauneuf-du-Pape contrôlée, Vallée du Rhône
Rubrik: Ausnahmeweine
Trauben: 100% Grenache
Jahrgang: 2008
Preis: Ca. CHF 600.– bis 1000.–
Degustiert: 6/2021, eingereicht von Zapfenzieher
Freudiger: 14 Stunden nach dem Öffnen: sehr helles, durchscheinendes Granat. Erdbeerkompottnase und Rumtopf, super intensiv ohne aufdringlich zu wirken. Im Ansatz sehr schöne Kräuternoten, dann eine Mitte mit wahnsinniger Substanz, ganze Schichten von Samt und Seide, und schliesslich ein atemberaubender Abgang. Kann die dunkle Seite der Macht den Schwanensee tanzen? Hier tut sie es.
Gesamturteil: Ein Weltstar, der seinem Ruf gerecht wird: 19+/20
Kaletsch: Mittleres, transparentes Rot mit Orange- und leichten Braunreflexen sowie helleren Rändern. Intensive, einladend-fruchtige Nase, die einen umhaut: Hier will man (zuerst) nur riechen! Frisch, erdbeerig-kirschig mit einem Touch Uva-Americana-Aromatik, dazu feine Kräuteraromen. Am Gaumen setzt sich der Aromen-Trip fort: Power im Samthandschuh, länger, länger, länger. Eine perfekte Balance und filigrane Gerbstoffe, die den Wein zu einem Genussmonster machen, ohne dass irgendetwas stört. Hell yeah!!!
Gesamturteil: Finesse par excellence: 19,5/20
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Châteauneuf-du-Pape Delas 1949

Delas Frères Châteauneuf-du-Pape AC, Tournon s/Rhône
Rubrik: Ausnahmeweine
Trauben: Grenache, Syrah
Jahrgang: 1949
Preis: Ca. CHF 150.–
Degustiert: 6/2021
Freudiger: Noch recht intensives, ganz leicht trübes Granat mit ziegelroten Reflexen. Frucht in der Nase noch andeutungsweise vorhanden, zu Beginn überdeckt von massiven Schwefelnoten; diese weichen allmählich markanten Champignonaromen. Edle Alterssüsse mit Rosinen und leichten Noten von feuchtem Waldboden. Zunehmend dominieren Tertiäraromen. Leder, auch hier Waldpilze. Etwas Restsäure stützt nach wie vor.
Gesamturteil: Beeindruckendes Altweinerlebnis (nicht bewertbar)
Kaletsch: Mittelhelles Karmin- bis Ziegelrot mit bräunlichen Rändern, erstaunlich viel Farbe für dieses Alter. In der Nase vor allem Tertiärnoten: viel Leder, Tabak, leicht animalisch. Am Gaumen beeindruckt die Struktur: mittlere Länge, gut spürbare Tannine und eine angenehme Extraktsüsse. Kaum Oxidation – noch sehr gut trinkbar.
Gesamturteil: Mit dem Altersbonus: 17+/20
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Costières de Nîmes 2019

Michel Chapoutier, Tain, AOP Costières de Nîmes
Rubrik: Alltagsweine
Trauben: Grenache, Syrah, Marsellan, Mourvèdre
Jahrgang: 2019
Preis: Ca. CHF 11.–
Degustiert: 6/2021
Freudiger: Strahlendes Purpur mit violetten Rändern. Intensive Kirschdüfte, etwas knallig. Am Gaumen Südfrankreich pur. Herrliche Kräuter- und auch Pfeffernoten, sehr frisch wirkend. Erneut viele rote Früchte, vor allem Wildkirschen. Knochentrocken, langer noch gerbstoffreicher Abgang.
Gesamturteil: Kirschenfruchtiger Preis-Leistungs-Hammer von der Rhonemündung: 16/20
Kaletsch: Dunkles Purpur mit schwarzvioletten Reflexen. Intensive, schwarzbeerige Nase mit Kräutern, sehr warm und Syrah-typisch. Am Gaumen setzt sich die südliche Aromatik fort: jugendlich, breit und mit mittlerer Länge. Kann dank seinem feinen Tanningerüst sicher noch etwas gelagert werden. Beeindruckende Vinifikation – Grossmeister Chapoutier beherrscht nicht nur Monocépages!
Gesamturteil: Für diesen Preis ein Wahnsinn: 16,5/20
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Savigny-Lavières 2018

Tollot-Beaut, Chorey-les-Beaune, AOC Savigny-les-Beaune 1er Cru
Rubrik: Klasseweine
Trauben: 100% Pinot Noir
Jahrgang: 2018
Preis: Ca. CHF 58.–
Degustiert: 4/2021, eingereicht von Gerstl Weinselektionen
Freudiger: Jugendliches Rubin. Warme, fast süss wirkende Waldfrucht-Nase mit etwas Vanille. Wahnsinnig lustvoller und einlullender Erdbeergelee-Auftakt. Dann tonnenweise rote und blaue Früchte. Sehr lustvoller, sinnlicher, weiblich anmutender Wein in seiner expressiven Fruchtphase. Fast übertriebene, warme Frucht und sehr sanfte Gerbstoffe, die eine schöne Zukunft verheissen. Aber bereits jetzt mit sehr viel Genuss zu trinken.
Gesamturteil: Bitte in 10 Jahren noch mal einschenken. Jetzt: 18/20
Kaletsch: Erstaunlich dichtes, glänzendes Purpurrubin. WOW, was für eine intensive, duftige Nase mit frischen, feinen Fruchtaromen und einem leicht ätherischen Touch! Am Gaumen dann die eiserne Faust: sehr dicht, sehr viel Extrakt, sehr viel Power – aber all das bei gleichzeitiger Eleganz. Die Länge ist beachtlich, aber am überraschendsten ist, dass dieser Wein bereits jetzt zugänglich wirkt.
Gesamturteil: Für einmal ein Klassewein von der Côte-de-Beaune: 18/20
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Bastide Miraflors 2018

Domaine Lafage, Côtes du Roussillon AOP, Perpignan
Rubrik: Alltagsweine
Trauben: 74% Syrah, 26% Grenache
Jahrgang: 2018
Preis: Ca. CHF 17.–
Degustiert: 4/2021
Freudiger: Jugendliches Kirschrot. Verhaltene, kräuterduftige Nase mit Bouillon-Effekt. Extrem wuchtiger Auftritt, grosses Fruchtextrakt-Kino aber ohne dass der Wein fett wirkte. Da ist ein Könner oder eine Könnerin am Werk. Sehr dicht gewoben, schön gebaut, etwas Grünes im Spiel, das aber eher interessante Noten beiträgt, gleichzeitig spürbar von Hitze geprägt.
Gesamturteil: Preis-Leistung vom Vergnüglichsten: 17/20
Kaletsch: Frisches Granatrot. Üppig-fruchtige Nase, sehr schwarzbeerig (Cassis). Am Gaumen delikat und erstaunlich dicht. Viel Tannin, das etwas grasig wirkt und an Holunder erinnert. Der Wein ist modern und gut gemacht, kann aber seinen hohen Alkoholgehalt (14,5%) nicht ganz verbergen. Die 91 Parker-Punkte erstaunen deshalb nicht.
Gesamturteil: Für diesen Preis sehr okay: 16,5/20
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Bourgogne Maison Dieu 2018

Maison Dieu, AOC Bourgogne, Dom. de Bellene, Beaune
Rubrik: Klasseweine
Trauben: 100% Pinot Noir
Jahrgang: 2018
Preis: Ca. CHF 30.–
Degustiert: 4/2021, eingereicht von Gerstl Weinselektionen
Freudiger: Leuchtendes, aber recht dunkles Kirschrot. Typischer Pinot-Noir-Stinker nach altem Putzlappen. Warmer Ersteindruck, von Bouillonnoten geprägt, sehr kräuterwürzig, wenig Primärfrucht aber sehr dicht gewoben. Dann gut strukturiert, schöne, ernsthafte Frucht. Mittlerer, eher sanfter Abgang mit herrlich rollenden Gerbstoffen. Bereits erstaunlich zugänglich, dürfte aber noch etwas zulegen.
Gesamturteil: Sehr seriöser, aber auch sehr teurer Basiswein: 16/20
Kaletsch: Mittellhelles, leicht transparentes Granatrot. Sehr frische, fruchtig-aromatische Nase. Am Gaumen breit und mit erstaunlicher Länge für einen Basiswein. Aktuell noch sehr gerbstofflastig, aber die frische, präsente Säure lässt Eleganz erahnen. Die Aromatik ist breit und eher rustikal für einen Burgunder. Unbedingt noch ein bisschen lagern lassen.
Gesamturteil: Für einen «einfachen» Bourgogne beeindruckend: 17+/20
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Santenay Charmes 2018

Santenay AOC, Domaine Roger Belland
Rubrik: Klasseweine
Trauben: 100% Pinot Noir
Jahrgang: 2018
Preis: Ca. CHF 35.–
Degustiert: 2/2021, eingereicht von Gerstl Weinselektionen
Freudiger: Dichtes Purpur. Atypische Nase mit extremen Kräuternoten, auch Bouillon. Überreife Walderdbeeren lassen sich erahnen. Am Gaumen erneut massive Gewürznoten. Erstaunlich, Pinot Noir für mich nicht erkennbar, hätte blind eher auf einen Südwein getippt. Dabei allerdings sehr substanzreich und mit einem wuchtigen Auftritt. Sehr frisch und lang. Potenzial ist da, aber wohin geht diese Reise?
Gesamturteil: What’s that? Unklare 14–17/20
Kaletsch: Dunkles, fast undurchdringliches Violettrot (ist das tatsächlich ein Pinot Noir?). Sehr frische Nase mit Kirschenfrucht und Gewürzen (Muskat, Pfeffer). Am Gaumen dicht, würzig und mit sehr viel Power, aber gekonnt ausbalanciert. Die eher kräftigen Tannine verleihen ihm einen Schuss Rustikalität, aber dahinter lässt sich seine Eleganz bereits erahnen. Am Ende macht er noch zu: muss zweifellos noch ein paar Jährchen gelagert werden.
Gesamturteil: Ein Pinot, der auf Würzigkeit setzt: 17,5/20 (Potenzial 18)
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Château Meyney 1995

Saint-Estèphe AC, Cru bourgeois supérieur
Rubrik: Klasseweine
Trauben: Cabernet Sauvignon, Merlot, Petit Verdot
Jahrgang: 1995
Preis: Ca. CHF 45.–
Degustiert: 2/2021
Freudiger: Aufhellendes Granat mit recht dichtem Kern. Die klar oxidative Nase mit einigen eingemachten, überreifen Früchten im Hintergrund lässt Schlimmes erahnen. Dann jedoch ein erstaunlich präsentes Gaumenerlebnis. Da sind natürlich viel Leder, Waldboden, Laub und Pilze, aber eben auch eine schöne Extraktsüsse, wuchtige Kompottnoten, Sultaninen, dann wieder Schwarztee und Zigarrenkiste. Die durchaus noch präsenten Gerbstoffe runden ein im ersten Moment spannendes Altweinerlebnis ab. Zerfällt dann aber recht rasch in klägliche Einzelteile.
Gesamturteil: Opa schwingt das Tanzbein, streckt mir die Zunge raus und bricht sich dann die Hüfte: 16/20
Kaletsch: Mittleres Purpur und aufhellende Ränder mit deutlich bräunlichem Einschlag. In der Nase rosinig und oxidativ: überreife Frucht (Rumbeeren) und madeirisierte Noten überwiegen, dazu gesellen sich Tabak, Leder und etwas Zedernholz. Wer von diesem Wein nicht probiert, macht einen Fehler: Am Gaumen zeigt er eine schöne Extraktsüsse und feine Gerbstoffe. Leider nehmen die oxidativen Noten in der Nase nicht ab: befindet sich definitiv auf dem absteigenden Ast.
Gesamturteil: Mit etwas Goodwill: 17/20
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Château Cadenette L’Yeuse 2014

AOP Costières de Nîmes, Château Cadenette
Rubrik: Alltagsweine
Trauben: Syrah, Grenache
Jahrgang: 2014
Preis: CHF 19.50
Bezugsquelle: Gentinetta
Degustiert: 2/2021, eingereicht von Gentinettas Weine
Freudiger: Sehr dunkles Granat mit aufhellenden Rändern. Verhaltene, zunächst verschlossen wirkende Nase; dahinter lauern aber ganze Ladungen von dunklen Früchten. Am Gaumen ernsthaft, tiefgründig, samtig, dazu klassische Garrigue-Noten. Noch einmal tauchen sehr dunkle Früchte auf, Andeutung von Kompott, trotzdem nicht überreif wirkend. Ausgesprochen ruhiger, unspektakulärer, sehr erwachsener Wein mit souveräner Frucht. Mittlerer Abgang. Perfekte Genussreife.
Gesamturteil: Ernsthaft. Und ernsthaft gut: 17/20
Kaletsch: Dunkles, minimal getrübtes Purpurgranat mit aufhellenden Rändern. Intensive, sehr aromatische Nase mit viel Frucht und schönen Reifenoten. Am Gaumen nahe an der Perfektion: Säure, Frucht und Tannine halten sich die Waage. Kein Lautsprecher, aber ein echter Genusswein mit beeindruckender Länge, der auf dem absoluten Reifepeak zu sein scheint. Was will man mehr?
Gesamturteil: Preis-Leistungs-Verhältnis zum Staunen: 17,5/20
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Vosne-Romanée Grivot 2017

Domaine Jean Grivot, Vosne-Romanée AOC
Rubrik: Klasseweine
Trauben: 100% Pinot Noir
Jahrgang: 2017
Preis: Ca. CHF 80.–
Degustiert: 2/2021, eingereicht von Gerstl Weinselektionen
Freudiger: Typisch helle, durchscheinende aber glänzende Pinot-Farbe. In der Nase mit klassischen roten Früchten, Walderdbeere zum Verlieben. Dann… holy shit! Ganz grosses Burgunderkino. Elegant, sinnlich, weiblich (ja, sorry, doch ich beharre darauf), mit klaren Linien, fein ziseliert und trotzdem wuchtig. Gerbstoffe für Jahrzehnte, gleichzeitig schon zugänglich, von einer etwas herabblassenden, noblen Gefälligkeit. Potenzial für ganz, ganz grosse Pinot-Klasse, aber bereits jetzt wunderschön, in dieser Form nie erlebt.
Gesamturteil: Champions League auch für Pinot-Skeptiker: 19/20
Kaletsch: Helles, transparentes Granatrot. Sehr typische, einladende Nase, wie man es sich von Top-Burgundern wünscht: rotbeerig, dazu erste Reifenoten. Schlicht zum Niederknien! Am Gaumen ganz nah an der Perfektion: traumhafte Balance von Säure, Frucht und superfiligranen Gerbstoffen. Das ist Finesse pur, und trotzdem ist die Länge atemberaubend. Dieser Wein ist nicht besonders extrahiert und gibt nichts vor, er IST einfach. Bereits jetzt ein unglaublicher Genuss.
Gesamturteil: Das MUSS man mal probiert haben: 19–/20
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Le Grenache dans la peau 2016

Maury sec AOP, Jeff Carell
Rubrik: Alltagsweine
Trauben: 80% Grenache, 20% Syrah
Jahrgang: 2016
Preis: Unter CHF 15.–
Degustiert: 2/2021
Freudiger: Schönes Granatrot. Ausserordentlich kühle, würzige Nase. Am Gaumen schöne Stoffigkeit, gute Primärfrucht. Wirkt zunächst fröhlich und unkompliziert, zeigt dann jedoch auch Substanz und üppige Komplexität. Druckvoll. Zunehmend Frucht, dazu heftiges Tannin, aber bereits gut eingebunden. Terroir, als Südwein gut erkennbar. Endet auf Cassisnoten. Könnte sogar noch zulegen.
Gesamturteil: Ein Preis-Leistungs-Hammer, der Spass macht: 16,5/20
Kaletsch: Frisches Kirschrot. Sehr einladende, reife Nase mit üppiger Frucht, fast ins Überreife kippend. Am Gaumen überraschend viel Power: dicht und gerbstoffbetont. Ein voluminöser Wein mit mittlerer Länge und leicht herbem Abgang. Definitiv nicht auf Easy-Drinking und Gefälligkeit getrimmt: So übertrieben sind die 91 Punkte von Parker und die 92 Punkte von Jeb Dunnuck gar nicht...
Gesamturteil: In dieser Preisklasse kaum zu toppen: 17+/20
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Savigny-les-Beaune Hommage Mascarello 2016

Savigny-les-Beaune AC, Premier Cru, Domaine de Bellene (Nicolas Potel), Beaune
Rubrik: Klasseweine
Trauben: 100% Pinot Noir
Jahrgang: 2016
Preis: Ca. CHF 75.–
Degustiert: 12/2020, eingereicht von Gerstl Weinselektionen
Freudiger: Strahlendes Rubin. Kirschduftige Kräuternase, eher zurückhaltend. An der Zungenspitze ist kurz betörende Fruchsüsse zu spüren, danach macht der Wein in bösartiger Weise zu. Man ahnt Substanz, man ist sicher, dass da Frucht ist, aber es wird alles von einer monströsen Gerbstofforgie zugedeckt. Der Wein befindet sich in einem Lockdown alttestamentarischen Zuschnitts (merci Mike Müller). Grosse Frage: Worin besteht die Hommage an den Barolo-Magier Bartolo Mascarello? Im gewaltigen Rückgrat? Im Fehlen von Barriquenoten? In der Unzugänglichkeit für die nächsten 15 Jahre? Aber noch viel wichtiger: Ist für eine langjährige Entwicklung genügend Substanz vorhanden?
Gesamturteil: Aktuell sehr schwierig zu beurteilen; wahrscheinlich Potenzial für 18/20
Kaletsch: Mittleres Purpur mit aufhellenden Rändern. Traumhaft duftige Nase, eher schwarzbeerig (Cassis). Am Gaumen beeindruckt die Dichte: sehr viel Extrakt, markante Säure und intensive, aber feine Tannine, minimal adstringierend. Ein Wein, mit dem Topwinzer Nicolas Potel zweifellos eine Referenz schaffen will: Er hat mehrere Premier-Cru-Lagen verschnitten, was im Burgund nicht üblich ist (aber ihm von Bartolo Mascarello angeraten wurde). Ein schlummernder Riese, der momentan noch nicht zugänglich ist. Mindestens fünf Jahre lagern!
Gesamturteil: Sehr extrahiert, aber gekonnt vinifiziert: 17,5 (Potenzial 18+/20)
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Les Adrès 2000

AOC Côtes du Rhône Villages, Domaine du Trapadis, Rasteau
Rubrik: Alltagsweine
Trauben: Mourvèdre, Carignan, Grenache
Jahrgang: 2000
Preis: Ca. CHF 20.–
Degustiert: 11/2020
Freudiger: Dunkles Granat mit einigen Braunreflexen. Gereifte Nase mit schönen Tertiäraromen, etwas Erde, dahinter lauert jedoch noch immer üppige Frucht mit überreifen Pflaumen. Wuchtiger Auftritt mit spürbar hohem Alkohol. Mundfüllend kompottartig, dabei aber durchaus elegant. Eindruck von einer heissen Hügellandschaft mit Kräutern. Gegen Schluss recht herb und im Abgang noch einmal mit Tertiäraromen, keinesfalls zu alt aber ohne weitere Reserven.
Gesamturteil: Rhône, wie es ihr gefällt: 16,5/20
Kaletsch: Mittleres Granatrot mit deutlichen aufhellenden Rändern und bräunlichem Einschlag. Sehr intensive, animalische Nase mit Rumbeeren, konfierten Früchten, Lakritz und leicht medizinaler Note. Am Gaumen fallen nach 20 Jahren noch immer die Gerbstoffe auf: wuchtig, mit schöner Länge, aber die Dichte fehlt inzwischen etwas. Leicht herber Abgang, der von einer kompromisslosen Vinifikation zeugt: kein Easy-Drinking!
Gesamturteil: Gekonntes Rhône-Winemaking: 17+/20
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Bourgogne Jean Grivot 2017

Bourgogne AC, Domaine Jean Grivot, Vosne-Romanée
Rubrik: Klasseweine
Trauben: 100% Pinot Noir
Jahrgang: 2017
Preis: Ca. CHF 45.–
Degustiert: 12/2020, eingereicht von Gerstl Weinselektionen
Freudiger: Granat mit ganz flüchtigen, etwas matten Braunreflexen. Verhalten-würzige Pinot-Nase. Sehr diskret, helle Kirschen. Mundfüllend-stoffiger Auftakt, sofort präsente Säure, auch etwas Holz; schön abgerundet ohne Ecken und Kanten, vorne im Mund sehr präsent und auch langlebig, in der Mitte fehlt etwas Substanz; dafür deutlich lebensfrohe Kirschen und eine stattliche Säure. Der Wein versucht trotz des spürbaren Holzeinsatzes nicht etwas zu sein, was er nicht ist. Abgang kurz mit leichter aber charmanter Bitternote. Für einen Basiswein ganz grosses Kino!
Gesamturteil: Saufwein, jetzt: 16/20
Kaletsch: Helles, glänzendes und klares Purpurrot mit feinem orangebräunlichem Schimmer. Betörende, sehr duftige Nase: rotbeerig (Himbeere) und Veilchen, kaum Holz. Eine Aromatik zum Niederknien! Am Gaumen saftig-frisch mit einer angenehmen Säure und sehr feinen Gerbstoffen, perfekt ausbalanciert, elegant und trotzdem mit beachtlicher Länge! Bereits jetzt ein echter Trinkgenuss, aber dieser Wein legt sicher noch zu. Das soll ein einfacher Bourgogne sein?!
Gesamturteil: Just wow! Augen zu und geniessen: 18–/20
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Château Ferrière 1996

AC Margaux, 3e Cru Classé
Rubrik: Klasseweine
Trauben: Cabernet Sauvignon, Merlot, Petit Verdot
Jahrgang: 1996
Preis: Ca. CHF 65.–
Degustiert: 11/2020
Freudiger: Jugendliches Granat. Herrliche Eukalyptus-Minze-Cassis-Nase, dazu etwas Tabak. Heftiger Auftritt mit sehr viel roter Peperoni, Brombeere und Cassis. Erstaunlich vife Gerbstoffe, bei denen man sich fragen kann, ob sie sich noch einbinden werden. Denn der Wein oszilliert zwischen perfekter Trinkreife und einem Hauch von Unausgegorenheit. Das ist allerdings Klagen auf sehr hohem Niveau: Es handelt sich um einen echten Feelgood-Bordeaux zu einem vergleichsweise günstigen Preis.
Gesamturteil: That’s why we drink: 18/20
Kaletsch: Müdes Granatrot mit deutlich bräunlichen Rändern. Sehr intensive Bordeaux-Nase mit Frucht, Leder, Tabak, Zedern und Graphit, animalisch und leicht alkoholisch. Am Gaumen lässt das Gerbstoffjahr 1996 grüssen: Tannine im Stile von jungen St-Estèphes, die noch immer nicht ganz integriert sind. Feine Säure und dunkelbeerige Frucht. Ein klassischer Bordeaux, der noch 3 bis 5 Jahre Lagerung verträgt.
Gesamturteil: Ein typischer 1996er: 18–/20
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Châteauneuf-du-Pape Prestige 2009

Roger Sabon, AOC Châteauneuf-du-Pape
Rubrik: Klasseweine
Trauben: 60% Grenache, 15% Syrah, 10% Mourvèdre, 15% Vaccarese, Muscardin, Cinsault, Terret Noir und Counoise
Jahrgang: 2009
Preis: Ca. CHF 70.–
Degustiert: 9/2020
Freudiger: Dem Glas entströmt französische Aristokratie. Im ersten Moment etwas Brett, aber dann sofort sauber wirkend. Am Gaumen total betörend, so muss Wein! Alle Elemente haben bereits zusammengefunden: die Frucht, das Holz, die Säure, die Gerbstoffe, die Ausbaunoten, die allerersten Tertiäraromen… Ganze Wagenladungen voller dunkler schwarzer Früchte, vielschichtig, etwas Sultaninen, dazu etwas Wald, ein bisschen Erde, gleichzeitig ungemein elegant. Steigert sich von Minute zu Minute im Glas. Elegante Wucht!! Komplex UND hedonistisch. Seidenes Einstecktuch. Zum zweiten Mal in fast drei Jahren: Kaufempfehlung!
Gesamturteil: Aristokratisch, wie es nur Frankreich kann. Jetzt 18, bald mindestens 19/20
Kaletsch: Tiefes Purpurrot mit leichtem, ziegelrotem Schimmer am Rand. Opulente, reife Nase, rosinig und leicht alkoholisch. Auch am Gaumen eine sehr einnehmende Aromatik: Rosinen und getrocknete Beeren, dazu Reifenoten. Ein Wein, der einem sprichwörtlich entgegen kommt. Überzeugende Struktur, lang und elegant, aber gleichzeitig dicht, opulent, ausdrucksstark und sehr extraktreich.
Gesamturteil: Hier ist «Prestige» fast schon ein Understatement: 18,5 (Potenzial 19)
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Saint Joseph 2017

AC Saint Joseph, Vignoble de la Tour d’Arras, Catherine & Pascal Jamet, Arras
Rubrik: Klasseweine
Trauben: 100% Syrah
Jahrgang: 2017
Preis: Ca. CHF 32.–
Degustiert: 7/2020, eingereicht von La Passion du Vin
Freudiger: Fast schwarzes, gefährlich funkelndes Rubin. Pferdestall und Leder lassen Brett vermuten, doch dann springen schwarze Früchte aus dem Glas, begleitet von frischer Minze. Dazu Garrigue-Düfte. Danach extrem dicht, lebensgefährlicher Trinkfluss mit viel schwarzer Frucht und etwas Würze, eher orientalisch geprägt, zunächst kein Pfeffer! Mit etwas Belüftung zunehmend animalisch und dann, jawohl… etwas Pfeffer. Lass dich umarmen, Syrah! Schöner Vertreter der oberen Rhône mit Potenzial für einen weiteren Punkt.
Gesamturteil: Schreit buchstäblich nach einem deftigen Stück Fleisch. Jetzt: 17/20
Kaletsch: Tiefschwarzes Purpur. Fruchtig-blechige, würzige Nase im klassischen Rhône-Stil. Erste animalische Noten. Am Gaumen dicht, mit viel Frucht, Pfeffer, einer schönen Säure und markanten Gerbstoffen, noch sehr konzentriert. Ein typischer Syrah, der noch fünf Jahre Lagerung braucht.
Gesamturteil: Kompromisslos und klassisch: Potenzial für 17,5/20
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